28mm Zivilisten für Moderne / nahe Zukunft

Geschrieben von Sigur Squrrl. Veröffentlicht in Sci Fi

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In den meisten Tabletop Wargames spielen Zivilisten keine große Rolle und sind auf dem Spieltisch in der Regel nicht präsent. Dies hat mehrere Gründe (die zu erörtern wohl zu vielen Diskussionen führen würde), doch das ist Thema für andere Artikel.

civies1civonlyschrift1.jpg Zu der Erkenntnis, dass ich keinerlei passende Zivilisten in 28mm besitze, kam ich vor einiger Zeit ganz unschuldig bei den ersten beiden Testspielen von Two Hour Wargames' All Things Zombie. Sehr starke Rollenspielelemente und so wie alle Regelwerke von THW stark auf Solo- und kooperatives Spiel sowie Kampagnenspiele ausgelegt. Im Grunde das perfekte Spiel mit dem man Menschen die nichts mit Miniaturenspielen am Hut haben ins Hobby bringen und gleichzeitig die eigenen dunklen Triebe Metall über den Tisch zu schieben befriedigen kann. Woran ich nicht gedacht hatte ist, dass man für das Spiel mehr als nur Zombies benötigt. Besonders gegen Anfang der Kampagne kommt es sehr häufig vor, dass die Spieler und ihre Begleiter  auf andere Menschen treffen. Es ist zwar eine zeitlang unterhaltsam wenn die Spieler auf der Straße einem illustren Mix aus imperialen Soldaten, Dunkelelfen und diversen Hasslefree-Damen begegnen, doch "richtige Menschen" sind natürlich der Spielstimmung zuträglicher.

civviesklein1schrift1.jpg Jeder der sich schon einmal auf die Suche nach modernen Zivilisten in 28mm gemacht hat wird sich erinnern wie schwer solche Modelle zu finden sind (in ausreichender Variation und zu einem günstigen Preis). Lead Adventures, Hasslefree, Foundry, etc. vertreiben wirklich hübsche Zivilistenfiguren, doch die waren preislich (inkl. Versand) alle etwas über meinen Vorstellungen. Es ist ja bekannt, dass Tabletopper unmengen von Geld in die eigenen Armeen stecken, auch wenn sie für den Rest ihres Lebens auf Metall- und Plastikbergen sitzen, doch sobald es um Ausgaben für Gelände, Regelwerke oder Sonstiges geht wird weitaus weniger gern und weitaus weniger tief in die Tasche gegriffen.

civiesklein2schrift1.jpg Irgendwann spät nachts stieß ich auf No-Go-Zone, einem Miniaturenspiel zum Thema Bandenkämpfe bzw. Zusammenstöße zwischen Ordnungskräften und "Chaos" in britischen Großstädten. Erstaunlich spezifisch und natürlich klingen die Meldungen über die Riots 2011 wieder in den Ohren. Das Spiel selbst ersetzt den Würfel als Zufallsgenerator mit einer Art Schere-Stein-Papier-Spiel (mit fünf Handzeichen anstatt der klassischen drei). Nicht unbedingt mein Geschmack, doch ein ganz netter Weg um Leute die sich über ihr schreckliches Würfel(un)glück beschweren zum Verstummen zu  bringen und zugegebenermaßen etwas Neues.

Die Miniaturen selbst werden entweder thematisch gruppiert (Polizei, Aufständische/Plünderer, Zivilisten, etc.) in Sets zu je sechs Modellen angeboten oder einzeln. Die Sechserpacks kosten jeweils £ 6.00, preislich also sehr erschwinglich. Den Modellen sind jeweils ein 20mm Rundbase sowie ein Baseaufsatz beigepackt. Die Aufsätze sind teilweise uneben gegossen, aber ein nettes Extra. Die Modelle sind eher in "heroic 28mm" gehalten (Füße sind allerdings größtenteils dem Maßstab entsprechend), besonders wenn sie erstmal auf den Bases plus Aufsätzen stehen sind sie recht hoch. Natürlich kann man die Bases zurechtschleifen wie man mag, so dass die Höhe um ein paar Millimeter reduziert werden kann. Durch ein paar dynamische Posen und Größenunterschiede zwischen den Modellen passen sie allerdings ganz gut zu verschiedensten Auslegungen des 28mm-Maßstabes.

gang2schrift1.jpg Der günstige Preis bringt natürlich das Problem der Qualität mit sich. Die ist nämlich in mehreren Punken nicht sehr überzeugend. Die Modelle selbst sehen halbwegs ordentlich aus. Faltenwürfe sind an vielen Stellen entweder nicht vorhanden oder nicht überzeugend, die Gesichter eher krude und karikaturenhaft (allerdings sehr ausdrucksstark und charaktervoll. Das ist wohl Geschmackssache.), die Hände, besonders wenn es um ausgestreckte Finger geht, sind sehr krude modelliert. Der Detailgrad ist, wie ich meine, ausreichend. Die Gußqualität ist okay, Gußgrate sind eindeutig zu erkennen und sollten entfernt werden. Hie und da scheinen kleine Teile aus der Gußform gebrochen zu sein. Das führte bei zwei der Miniaturen zu überschüssigem Metal das entfernt werden musste (um die Handgelenke herum). Kein Problem, aber man sollte darauf Acht geben.

gang1schrift1.jpg Soviel zur Kritik. Die Modelle selbst sind sehr individuell gestaltet, besonders das Zivilisten-Set, und passen perfekt zu den meisten westlichen Großstädten zwischen 1980 und 20xx. Mir gefallen die Gesichter recht gut, da sie sehr ausdrucksstark sind. Nicht schön, aber man sieht sofort eine Persönlichkeit oder Stimmung und das ist mir in dem Fall wichtiger als ausdruckslose Dummies.

Wenn die Modelle selbst nicht gefallen habe ich jedes Verständnis dafür. Sie sind nicht schön, doch zu dem Preis und mit dieser Individualität bin ich absolut zufrieden mit den Miniaturen. Anfangs war ich mir da nicht so sicher, doch jetzt wo sie bemalt sind finde ich die Racker direkt sympathisch.

civviesall1schrift1.jpg Zivilisten sieht man wie gesagt nicht oft auf dem Spieltisch, doch man kann sie ohne weiteres in diverse Spiele einbauen (besonders Skirmish-Systeme die nicht 100%ig ernst zu nehmen sind profitieren von der Anwesenheit von Zivilisten auf dem Tisch und beispielsweise Yet Another Mission System für Infinity setzt es sogar voraus), sei es nun als Missionsziele, zusätzlichen Chaos-Faktor, Verbündete, Gegner, und, und und. So gesehen kann es nicht schaden, ein paar universell einsetzbare Miniaturen bei der Hand zu haben die ausnahmsweise keine Kettensägen und Raketenwerfer in jeder Hand tragen.

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